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6. Oktober 2026

Wagners „Tannhäuser“ in Zürich: Ein Mann gefangen in seiner eigenen Traumwelt

Am Opernhaus Zürich wird Richard Wagners „Tannhäuser“ zur Reise ins Innere eines Menschen. Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson erzählt die Oper als psychologisches Drama zwischen Begehren, gesellschaftlicher Ordnung und Selbstzweifel. Eric Cutler singt die Titelrolle, Markus Poschner dirigiert.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Oper in Zürich
Die Oper in Zürich | © Dominic Büttner

Mainz/Zürich - Richard Wagners Tannhäuser spielt am Opernhaus Zürich nicht nur zwischen Venusberg und Wartburg. In der Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson findet die Handlung vor allem im Inneren des Titelhelden statt. Tannhäuser bewegt sich durch eine Welt aus Erinnerung, Begehren, Angst und religiöser Sehnsucht; die äußeren Stationen seiner Geschichte werden zu Bildern einer inneren Reise. Die Produktion hatte am 21. Juni Premiere und wird seit dem 26. September wieder gezeigt; die letzten Vorstellungen finden am 9. und 13. Oktober 2026 statt.

Damit nimmt Arnarsson einen Stoff ernst, der von Anfang an von Gegensätzen lebt. Sieben Jahre hat Tannhäuser im Venusberg verbracht, doch auch in der Gesellschaft der Wartburg findet er nicht zurück. Zwischen Venus und Elisabeth, sinnlicher Erfahrung und religiöser Erlösung, persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Norm bleibt er heimatlos. Das Opernhaus Zürich beschreibt die Inszenierung entsprechend als existenzielles Identitätsdrama und surreale Reise in das Innere eines Menschen.

Die Bühne von Erna Mist übersetzt diese Perspektive in eine surreal geprägte Bildwelt. Die 1998 in Reykjavík geborene isländische Künstlerin ist vor allem für ihre Malerei bekannt; Tannhäuser ist erst ihre dritte Arbeit als Bühnenbildnerin. Gemeinsam mit Arnarsson entwickelt sie eine Landschaft innerer Zustände: Der Venusberg erscheint als scheinbar endloser Tisch aus leeren Gläsern, die Wartburg als goldener Käfig, am Ende verliert sich Tannhäuser in einem Spiegellabyrinth.

Arnarsson und Mist behandeln die verschiedenen Schauplätze damit weniger als reale Orte denn als Zustände desselben Bewusstseins. Tannhäusers Reise führt durch Traum und Albtraum, Selbsttäuschung und Scheitern. Die Musik Wagners unterstützt diese Bewegung mit ihren schroffen Wechseln zwischen sinnlicher Überwältigung, festlicher Öffentlichkeit und religiöser Suche.

Im Zentrum steht Eric Cutler als Tannhäuser. Der amerikanische Tenor konzentriert sich inzwischen zunehmend auf das jugendliche Heldenfach und kehrt nach seinem Zürcher Siegmund in Die Walküre und Paul in Korngolds Die tote Stadt nun als Wagner-Titelheld zurück. Christina Nilsson singt Elisabeth, Rachael Wilson Venus. Andrè Schuen übernimmt Wolfram von Eschenbach, Christof Fischesser den Landgrafen Hermann.

Am Pult steht bei den Herbstvorstellungen Markus Poschner, seit 2017 Chefdirigent des Orchesters der Oper Zürich und ab der Saison 2026/27 zugleich Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. In Tannhäuser trifft seine musikalische Leitung auf eine Inszenierung, die Wagners Gegensätze nicht als Wechsel zwischen verschiedenen Welten, sondern als Brüche innerhalb einer einzigen psychischen Landschaft versteht.

Arnarsson bringt damit seine Erfahrung mit mythischen Stoffen nach Zürich. Nach Parsifal an der Staatsoper Hannover und Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen ist Tannhäuser seine erste Arbeit am Opernhaus Zürich. Seine Deutung verschiebt den Schwerpunkt vom äußeren Geschehen auf die Frage, was von einer Welt übrig bleibt, wenn sie nur noch durch die Wahrnehmung eines Einzelnen existiert.

Die letzten Zürcher Vorstellungen am 9. und 13. Oktober führen damit noch einmal in eine Welt, in der Venusberg und Wartburg keine festen Orte sind. Sie werden zu Bildern eines Tannhäuser, der zwischen seinen Vorstellungen von Freiheit, Liebe und Erlösung keinen dauerhaften Platz findet.