7. Oktober 2026
Rossinis „L’equivoco stravagante“ in Wexford: Das Publikum wählt eine vergessene Oper
Zum 75. Wexford Festival Opera kehrt Gioachino Rossinis frühe Komödie „L’equivoco stravagante“ zurück. Das Besondere: Das Werk wurde erstmals in der Geschichte des Festivals durch eine öffentliche Abstimmung ausgewählt. Zugleich erklingt Rossinis erste großformatige Oper in einer neuen kritischen Edition – nachdem sie nach ihrer Uraufführung wegen ihres als anstößig empfundenen Librettos der Zensur zum Opfer gefallen war.

Mainz/Wexford - Das Publikum entscheidet: Zum 75. Jubiläum des Wexford Festival Opera steht Gioachino Rossinis L’equivoco stravagante auf dem Programm. Mehr als 1.100 Stimmen aus 30 Ländern gingen bei der erstmals veranstalteten Publikumswahl ein; Rossinis Oper setzte sich gegen Giovanni Paisiellos Il barbiere di Siviglia und Gaetano Donizettis Don Gregorio durch. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wurde damit eine Oper durch öffentliche Abstimmung für das Hauptprogramm ausgewählt.
L’equivoco stravagante – etwa „Der bizarre Irrtum“ – entstand 1811, als Rossini 19 Jahre alt war. Die Oper war seine erste großformatige Bühnenarbeit und wurde am 26. Oktober 1811 im Teatro del Corso in Bologna uraufgeführt. Im Zentrum steht Ernestina, die Tochter des wohlhabenden Bauern Gamberotto. Ihr Vater möchte sie mit dem reichen, aber einfältigen Buralicchio verheiraten, während der mittellose Ermanno eigene Pläne verfolgt. Aus falschen Identitäten, sozialen Ambitionen und Liebesintrigen entwickelt Rossini eine rasante Komödie mit schnellen Ensembles und komischem Furor.
Die Geschichte der Wiederentdeckung ist ungewöhnlich. Nach der Uraufführung verschwand das Werk aus dem Repertoire, nachdem die Zensur Anstoß an seinem subversiven Libretto genommen hatte. Als Wexford die Oper 1968 erstmals aufführte, galt die originale Musik teilweise als verloren; für die damalige Produktion wurden deshalb Nummern aus späteren Rossini-Opern verwendet. Inzwischen liegt eine kritische Edition vor, die auf umfangreichen musikwissenschaftlichen Forschungen beruht. Die neue Wexforder Produktion kann damit Rossinis ursprüngliche Konzeption wieder hörbar machen.
Gerade in dieser frühen Oper zeigt sich bereits Rossinis komisches Verfahren: präzise rhythmische Abläufe, virtuose Ensembles und vokale Figuren, deren Beweglichkeit die Handlung vorantreibt. Hinter der Farce steht zugleich ein sozialer Konflikt. Gamberotto möchte seiner Tochter den gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen, während Ermanno ohne Vermögen um seine Liebe und seinen Platz in der Gesellschaft kämpft. Aus dem vermeintlich absurden Irrtum wird so auch eine Komödie über Geld, Status und soziale Ambitionen.
Die neue Produktion übernimmt Max Hoehn, der erstmals in Wexford arbeitet; Riccardo Bisatti gibt ebenfalls sein Festivaldebüt am Dirigentenpult. Maria Barakova singt Ernestina, Stefan Astakhov Gamberotto, Gurgen Baveyan Buralicchio und Sebastian Mach Ermanno. Bühne und Kostüme gestalten Darko Petrovic und Massimo Carlotto. Die Vorstellungen finden am 16., 21., 25. und 29. Oktober im O’Reilly Theatre des National Opera House statt.
Die Rückkehr nach Wexford besitzt dabei eine eigene Geschichte: Schon 1968 gehörte L’equivoco stravagante zu den frühen Wiederentdeckungen des Festivals. 2026 kehrt das Werk nun in rekonstruierter Gestalt zurück – und zugleich als Oper, die nicht von der Festivalleitung ausgewählt wurde, sondern von ihrem Publikum.

