7. Oktober 2026
Als ein Hund zum Gouverneur wurde: Offenbachs vergessener „Barkouf“ kehrt zurück
Jacques Offenbachs „Barkouf“ gehört zu den ungewöhnlichsten Werken des Komponisten. 1860 in Paris uraufgeführt, verschwand die Oper nach wenigen Vorstellungen weitgehend aus dem Repertoire. Opera Rara hat das Werk in Manchester nun erstmals in Großbritannien aufgeführt – mit einem Hund als Gouverneur und einer politischen Satire über Macht, Korruption und Gehorsam.

Mainz/Manchester - Ein Hund als Regierungschef, ein korrupter Hof und eine Bevölkerung, die von der ungewöhnlichsten aller Autoritäten profitiert: Jacques Offenbachs Barkouf gehört zu den ungewöhnlichsten Werken seines Bühnenrepertoires. Opera Rara führte die 1860 in Paris uraufgeführte Oper am 4. Oktober 2026 in Manchester erstmals in Großbritannien auf. Das Hallé Orchestra sowie die Chöre der English National Opera und des Royal Northern College of Music wirkten mit, Paul Daniel dirigierte die konzertante Produktion.
Offenbach und seine Librettisten Eugène Scribe und Henry Boisseaux verlegen die Handlung ins fiktive Lahore. Weil die Gouverneure ständig wechseln, ernennt der Große Mogul seinen Hund Barkouf zum Herrscher. Maïma, eine Blumenverkäuferin, die das Tier kennt, wird seine Dolmetscherin. Sie übersetzt sein Bellen in Entscheidungen, die Armen niedrigere Steuern bringen und politische Gefangene freilassen. Der korrupte Hof versucht daraufhin, seine Privilegien zu retten. Aus dem absurden Einfall wird eine Satire auf Willkür, Korruption und politische Anpassung.
Nach der Pariser Uraufführung am 24. Dezember 1860 verschwand Barkouf weitgehend aus dem Repertoire. Opera Rara griff das Werk im Rahmen seiner Arbeit an vergessenen Opern wieder auf und verwendete für die britische Erstaufführung Jean-Christophe Kecks kritische Edition.
Musikalisch zeigt sich dabei ein anderer Offenbach als in Orpheus in der Unterwelt oder Hoffmanns Erzählungen. Barkouf verbindet pointierte Charakterzeichnungen und ungewöhnliche Orchesterfarben mit einem Wechsel zwischen komischer Überzeichnung und ernsthafter Operndramatik. Die Wiederentdeckung machte damit eine eigenwillige, wenn auch nicht durchgehend gleichmäßige Partitur wieder zugänglich.
Anne-Catherine Gillet sang Maïma, Valerie Eickhoff Balkis, Mathias Vidal Saëb und Loïc Félix Bababeck. Alistair McGowan führte als Erzähler durch die Handlung. Gesungen wurde auf Französisch mit englischen Erzähltexten und Übertiteln.
Barkouf erweist sich damit als mehr als eine kuriose Fußnote in Offenbachs Werk. Der Hund muss kein Wort sagen, um die menschlichen Machthaber bloßzustellen: Entscheidend ist nicht, wer regiert, sondern was unter seiner Herrschaft geschieht.

