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23. September 2026

Mahler kehrt nach Budapest zurück: „Titan“ zum Saisonauftakt der Staatsoper

Die Ungarische Staatsoper erinnert zum Saisonauftakt an Gustav Mahler und seine Jahre in Budapest. Im Zentrum des Festkonzerts am 26. und 27. September steht seine Erste Symphonie „Titan“ – ein Werk, dessen erste Fassung Mahler 1889 selbst in Budapest dirigierte.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Ungarische Staatsoper
Die Ungarische Staatsoper | © Attila Juhasz

Mainz/Budapest - Für Gustav Mahler war Budapest mehr als eine Station seiner frühen Dirigentenlaufbahn. Von 1888 bis 1891 leitete er die damalige Budapester Oper; in diese Zeit fällt auch die Uraufführung seiner Ersten Symphonie. Zum offiziellen Saisonauftakt der Ungarischen Staatsoper kehrt das Werk nun an den Ort zurück, an dem Mahler als Operndirektor wirkte. Am 26. und 27. September 2026 dirigiert Martin Rajna das Orchester der Ungarischen Staatsoper im Festkonzert „OPERA142“. Der Termin erinnert zugleich an die Eröffnung des Opernhauses am 27. September 1884.

Der historische Zusammenhang reicht bis ins Jahr 1889 zurück. Mahler stellte seine Erste Symphonie am 20. November jenes Jahres in ihrer ursprünglichen fünfsätzigen Gestalt im Budapester Pesti Vigadó vor. Er selbst stand am Pult des Budapester Philharmonischen Orchesters, das aus Musikern der Oper gebildet worden war. Die später gestrichene „Blumine“ war damals noch Bestandteil des Werkes. Erst nach weiteren Überarbeitungen entstand die heute geläufige viersätzige Fassung.

Musikalisch zeigt die Erste Symphonie bereits viele Elemente, die Mahlers späteres Schaffen prägen sollten. Naturlaute und Fanfaren treffen auf liedhafte und volkstümlich anmutende Melodien, einen marschartigen dritten Satz und abrupte Wechsel zwischen lyrischer Ruhe und grotesker Überzeichnung. Der berühmte Beginn mit dem lang gehaltenen Naturton und den sich allmählich verdichtenden Klangflächen lässt das Orchester zunächst wie aus der Ferne erscheinen. Aus dieser scheinbaren Einfachheit entwickelt Mahler eine Symphonie, in der Naturerfahrung, Tanz, Lied und ironische Brechung nebeneinanderstehen.

Der Saisonauftakt beschränkt sich jedoch nicht auf Mahler. György Kurtágs Petite musique solennelle eröffnet das Programm; der ungarische Komponist feiert 2026 seinen 100. Geburtstag. Es folgen orchestrale Ausschnitte aus Wagners Das Rheingold, bevor Mahlers Erste Symphonie den zweiten Teil bildet. Damit spannt das Konzert einen Bogen von Kurtágs konzentrierter Klangsprache über Wagners Musikdrama bis zu Mahlers symphonischer Welt.

Auch Wagner besitzt in diesem Programm einen konkreten Bezug zu Mahlers Budapester Jahren. Die Ungarische Staatsoper hebt hervor, dass Mahler während seiner Amtszeit den Ring des Nibelungen in den ungarischen Opernspielplan einführte. Die Rheingold-Ausschnitte erinnern damit an eine Tätigkeit, die über Mahlers eigene Kompositionen hinausging: als Operndirektor prägte er auch das Repertoire des Hauses.

Die Wahl von Kurtág, Wagner und Mahler verbindet damit mehrere Schichten ungarischer Musikgeschichte. Kurtág steht für die musikalische Gegenwart des Landes, Wagner für jene internationale Operntradition, die Mahler in Budapest etablierte, und Mahlers „Titan“ für die persönliche Verbindung des Komponisten mit der Stadt. Der Titel „OPERA142“ verweist zugleich auf die Geschichte des Hauses selbst: Das Konzert findet unmittelbar zum 142. Jahrestag seiner Eröffnung statt.

Am Pult steht Martin Rajna, seit 2023 Erster Kapellmeister der Ungarischen Staatsoper und seit 2025 designierter Musikdirektor der Luxemburger Philharmonie. Seit 2026 ist er zudem gemeinsam mit Ádám Fischer künstlerischer Co-Leiter der Wagner-Tage in Budapest. Mit Mahlers Erster Symphonie dirigiert er zum Saisonauftakt ein Werk, das die Geschichte der Budapester Oper unmittelbar mit der Biografie ihres früheren Direktors verbindet.

Dass gerade diese Symphonie im Mittelpunkt steht, verleiht dem Saisonbeginn seine präziseste historische Kontur. In Budapest begegnet Mahlers „Titan“ 2026 nicht einfach einem vertrauten Konzertpublikum, sondern einer Stadt, in der Mahler selbst am Pult stand, als Operndirektor wirkte und die erste Fassung seiner eigenen Symphonie zur Uraufführung brachte.