2. Oktober 2026
Herbert Blomstedt erhält den Praemium Imperiale
Der schwedische Dirigent Herbert Blomstedt wird 2026 mit dem japanischen Praemium Imperiale in der Kategorie Musik ausgezeichnet. Der Preis würdigt seine jahrzehntelange Arbeit mit internationalen Orchestern und seine Interpretationen des klassischen und romantischen Repertoires.

Mainz/Japan - Herbert Blomstedt erhält den Praemium Imperiale 2026 in der Kategorie Musik. Die Japan Art Association gab die diesjährigen Laureatinnen und Laureaten am 8. September bekannt. Neben dem 99-jährigen Dirigenten werden die Schauspielerin Cate Blanchett, der Architekt Daniel Libeskind, die Künstlerin Jenny Holzer und der Bildhauer Andy Goldsworthy ausgezeichnet.
Blomstedt wird für seine jahrzehntelange künstlerische Arbeit und seine Interpretationen des klassischen und romantischen Repertoires geehrt. Die Japan Art Association hebt seine Fähigkeit hervor, die Intentionen der Komponisten präzise umzusetzen und vertraute Werke mit Klarheit und neuer Frische zu erschließen. Auch im zehnten Lebensjahrzehnt steht dabei nicht allein die Bilanz einer langen Karriere im Mittelpunkt: Blomstedt dirigiert weiterhin internationale Orchester.
Seine Laufbahn ist eng mit bedeutenden europäischen und amerikanischen Orchestern verbunden. Nach seinem Dirigierdebüt beim Stockholmer Philharmonischen Orchester 1954 folgten Chefpositionen unter anderem beim Oslo Philharmonic Orchestra, beim Dänischen Nationalen Symphonieorchester, beim Schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester und bei der Staatskapelle Dresden. Später leitete er das San Francisco Symphony Orchestra, das NDR Sinfonieorchester und das Gewandhausorchester Leipzig. Mehrere dieser Orchester ernannten ihn anschließend zum Ehrendirigenten.
Besonders prägend war seine Zeit bei der Staatskapelle Dresden, die er von 1975 bis 1985 als Chefdirigent leitete. Mit dem Orchester entstanden unter anderem viel beachtete Aufnahmen der Sinfonien von Beethoven und Schubert. In Leipzig übernahm Blomstedt 1998 als 19. Gewandhauskapellmeister die Nachfolge Kurt Masurs und blieb bis 2005 im Amt. Seine Arbeit mit diesen Orchestern steht exemplarisch für eine Dirigierkunst, die auf genauer Partiturarbeit, langfristiger Zusammenarbeit und einem klaren, transparenten Klangbild beruht.
Der Praemium Imperiale wird seit 1989 von der Japan Art Association vergeben und zeichnet Künstlerinnen und Künstler in fünf Bereichen aus: Malerei, Skulptur, Architektur, Musik sowie Theater und Film. Jeder Laureat erhält 15 Millionen Yen sowie eine Medaille und eine Urkunde. Die Preisverleihung findet am 28. Oktober in Tokio statt. In der Musikkategorie wurden zuvor unter anderem Wynton Marsalis, Yo-Yo Ma, Alfred Brendel, András Schiff und Martha Argerich ausgezeichnet.
Auch nach der Bekanntgabe der Auszeichnung bleibt Blomstedts Kalender mit Auftritten internationaler Orchester verbunden. Die für den 11. und 12. November in Oslo geplanten Brahms-Konzerte mit der Zweiten und Vierten Sinfonie wird er allerdings nicht dirigieren: Aus gesundheitlichen Gründen musste er absagen. An seiner Stelle übernimmt Arvid Engegård, das Programm bleibt unverändert.
Der Praemium Imperiale würdigt bei Blomstedt damit eine über sieben Jahrzehnte währende Dirigentenlaufbahn, die von der Arbeit mit großen Orchestern ebenso geprägt ist wie von der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit einem weitgespannten sinfonischen Repertoire. Die Auszeichnung fällt zugleich in eine Lebensphase, in der seine künstlerische Tätigkeit weiterhin Teil des internationalen Konzertbetriebs ist.

