2. Oktober 2026
Rossinis „Il turco in Italia“ zum Saisonstart in Tokyo
Das New National Theatre Tokyo beginnt seine Opernsaison mit Rossinis selten gespielter Opera buffa „Il turco in Italia“. Die Neuproduktion von Laurent Pelly bringt Claudia Muschio als Fiorilla und Alejandro Baliñas Vieites als Selim auf die Bühne; Alessandro Bonato dirigiert.

Mainz/Tokyo - Mit Gioachino Rossinis Il turco in Italia beginnt am 2. Oktober die neue Opernsaison des New National Theatre Tokyo. Das Werk steht erstmals auf dem Spielplan des Hauses. Die Neuproduktion entstand als Koproduktion mit dem Teatro Real Madrid und der Opéra national de Lyon und wird bis zum 12. Oktober insgesamt fünfmal gespielt.
Rossinis 1814 in Mailand uraufgeführte Opera buffa lebt von einem ständig in Bewegung geratenen Beziehungsgeflecht. Fiorilla ist mit Geronio verheiratet, flirtet jedoch mit dem türkischen Prinzen Selim; zugleich kehrt Selims frühere Geliebte Zaida in sein Leben zurück, während Fiorillas Verehrer Narciso in die Verwicklungen gerät. Der Dichter Prosdocimo beobachtet das Geschehen und versucht, daraus eine Komödie zu formen.
Musikalisch entsteht daraus eine Folge von Arien und Ensembles, in denen die Figuren immer wieder aufeinander reagieren. Besonders charakteristisch ist der Schluss des zweiten Aktes: In einem Septett artikulieren sieben Figuren gleichzeitig ihre eigenen Gedanken und Gefühle, bevor das Finale die verschiedenen Handlungsebenen zusammenführt. Auch Kazushi Ono, der künstlerische Leiter Oper des Hauses, hebt die Ensemblearbeit als einen zentralen Reiz des Werks hervor.
Die Inszenierung stammt von Laurent Pelly, der auch die Kostüme gestaltet. Chantal Thomas entwirft die Bühne. Pelly greift die Metaebene der Oper auf: Fiorilla ist von einem Bilderroman fasziniert, während Prosdocimo aus den Vorgängen um sie herum eine eigene Geschichte entwickeln will. Die Produktion spielt damit bewusst mit der Grenze zwischen realem Geschehen und erfundener Komödie. 2023 wurde sie erstmals am Teatro Real in Madrid gezeigt.
Im Zentrum steht Claudia Muschio als Fiorilla. Die Sopranistin kehrt nach ihrem Auftritt als Amina in Bellinis La sonnambula 2024 an das New National Theatre zurück. Alejandro Baliñas Vieites übernimmt die Partie des Selim und ersetzt damit Giorgi Manoshvili, der ursprünglich für die Rolle angekündigt war. Paolo Bordogna singt Geronio, Ruzil Gatin Narciso und Bruno Taddia Prosdocimo; Zaida wird von der japanischen Sängerin Tajima Yuka dargestellt.
Am Pult steht Alessandro Bonato, der mit dieser Produktion sein Debüt am New National Theatre Tokyo gibt. Für das Haus ist Il turco in Italia zugleich der Auftakt einer Saison mit drei Neuproduktionen: Auf Rossini folgen Benjamin Brittens Peter Grimes und Giuseppe Verdis Macbeth.
Mit Il turco in Italia eröffnet Tokyo die Saison damit mit einer selten gespielten Rossini-Komödie, deren musikalischer Reiz wesentlich aus der beweglichen Ensemblekunst und dem Spiel mit Theater innerhalb des Theaters entsteht. Pellys Inszenierung rückt diese doppelte Ebene ins Zentrum und verbindet die Liebesverwicklungen der Figuren mit der Frage, wer hier eigentlich eine Geschichte erzählt.

