8. Juli 2026
Rom 2026: Oper zwischen Circo Massimo, Teatro Costanzi und Teatro Nazionale
Das Teatro dell’Opera di Roma verteilt seinen Spielplan 2026 auf mehrere Orte der Stadt. Verdis Aida am Circo Massimo, Mozart und Stravinsky im Teatro Costanzi sowie zeitgenössisches italienisches Musiktheater im Teatro Nazionale zeigen, wie unterschiedlich Oper in Rom klingen, wirken und erzählt werden kann.
Von Albino Salvatore Cipolla, M.A.

Mainz/Rom - Der Spielplan der Fondazione Teatro dell’Opera di Roma Capitale verteilt sich 2026 auf mehrere Spielorte. Neben dem Teatro Costanzi, dem historischen Haus der römischen Oper, treten im Sommer der Circo Massimo und für einzelne Produktionen das Teatro Nazionale als eigene Räume hervor. Daraus entsteht keine Ausnahme vom regulären Betrieb, sondern ein Programm, das die Mehrort-Struktur der römischen Oper sichtbar macht: Freilichtformat, Opernhaus und kleinerer Theaterrahmen setzen jeweils andere Maßstäbe für Stimme, Bühne und Publikum.
Im Juli kommt Aida am Circo Massimo heraus. Verdis Oper trifft dort auf einen Ort, der große Chorszenen und zeremonielle Tableaus aufnehmen kann, ohne die private Katastrophe des Stücks aufzulösen. Zwischen Triumphmarsch und Totenkammer erzählt das Werk, wie militärischer Sieg und persönliche Bindung gegeneinander geraten: Aida liebt den ägyptischen Feldherrn Radamès, bleibt aber Tochter des äthiopischen Königs Amonasro. Daniele Callegari dirigiert, Davide Livermore inszeniert. Die Titelpartie ist in mehreren Besetzungen angekündigt, darunter Elena Stikhina, Yolanda Auyanet und Aleksandra Kurzak.
Im September rückt Mozart ins Teatro Costanzi. Le nozze di Figaro verlangt dort kein monumentales Format, sondern ein genaues Zusammenspiel von Szene, Sprache und Musik. Susanna, Figaro, der Graf und die Gräfin verhandeln Macht, Begehren und soziale Beweglichkeit in schnellen Dialogen, Duetten und Finali, in denen jedes Missverständnis musikalische Folgen hat. Emmanuel Tjeknavorian dirigiert die Produktion von Claus Guth; Erwin Schrott ist als Figaro angekündigt. Nach dem großformatigen Verdi-Abend am Circo Massimo setzt Rom damit auf eine Oper, deren Spannung aus Tempo, Nähe und Ensemblepräzision entsteht.
Im Oktober folgt Verdis Falstaff. Michele Mariotti steht am Pult, Tatjana Gürbaca führt Regie, Luca Salsi singt die Titelpartie. Verdis letzte Oper ist kein Nachtrag zum komischen Fach, sondern ein Alterswerk von großer Beweglichkeit: kurze Motive, schnelle Wechsel, pointierte Ensembles und ein Schlussfugato, das die Figuren noch einmal in gemeinsamer musikalischer Bewegung bündelt. Für Rom hat diese Produktion zusätzliches Gewicht, weil das Haus sie als Neuproduktion zeigt und mit einer markanten italienischen Besetzung verbindet.
Einen anderen Akzent setzt La vita nuda im Teatro Nazionale. Matteo D’Amicos Oper nach Motiven von Luigi Pirandello führt in einen kleineren Theaterraum und zu einem Stoff, der stärker auf Sprache, Situation und Rollenwechsel setzt als auf große Operngeste. Damit ergänzt das Teatro dell’Opera di Roma den Repertoirebogen um eine italienische Gegenwartsarbeit. Der Spielplan bleibt nicht bei Mozart und Verdi stehen, sondern nimmt neues Musiktheater als eigenen Teil der Saison auf.
Ende November eröffnet die Saison 2026/27 im Teatro Costanzi mit Stravinskijs The Rake’s Progress. Michele Mariotti dirigiert, Rafael R. Villalobos führt Regie, Lawrence Brownlee singt Tom Rakewell, Alex Esposito Nick Shadow. Stravinskijs Oper erzählt den Absturz eines jungen Mannes, der Geld, Verführung und gesellschaftlichen Aufstieg verwechselt. Musikalisch blickt das Werk auf ältere Formen zurück, spricht aber in einer klar konturierten Theatersprache des 20. Jahrhunderts. Als Saisonauftakt setzt Rom damit ein bewusstes Gegengewicht zum italienischen Kernrepertoire.
Im Dezember folgt ein Konzertabend mit Liszt und Bartók. Im Zentrum steht Bartóks Il castello del Principe Barbablù mit Anna Netrebko als Judit, Alexander Köpeczi als Blaubart und Henrik Nánási am Pult. Bartóks Einakter braucht kaum äußere Handlung: Zwei Stimmen, verschlossene Türen und ein Orchester, das Licht, Angst und Druck in Klangfarben verwandelt, tragen den Abend. In konzertanter Form verschiebt sich der Blick besonders auf die Partitur und auf den Wechsel zwischen vokaler Spannung und dunkler Orchesterzeichnung.
Der weitere Spielplan führt 2027 von Giordanos Andrea Chénier über Donizettis Lucia di Lammermoor, Verdis I due Foscari und Glucks Iphigénie en Tauride bis zu Schostakowitschs Una Lady Macbeth del distretto di Mzensk. Hinzu kommen Rossinis Il barbiere di Siviglia in konzertanter Form, Verdis Il trovatore und Puccinis La rondine. Damit spannt die Oper Rom einen Bogen vom italienischen 19. Jahrhundert über französische Tragödie und russisches Musiktheater bis zu Puccinis später Partitur zwischen Salon, Sehnsucht und Abschied.
So entsteht ein Spielplan mit klar unterscheidbaren Formaten: Aida nutzt den Circo Massimo als weitläufigen historischen Stadtraum für Chor, Aufmarsch und große Tableaus; Figaro, Falstaff und The Rake’s Progress stehen für das konzentriertere Spiel des Teatro Costanzi, des historischen Opernhauses der Stadt; La vita nuda rückt im Teatro Nazionale Sprache, Situation und Rollenwechsel in den Vordergrund. Der römische Spielplan 2026 bezieht seine Spannung auch aus diesen Gegensätzen: antike Monumentalfläche, Opernhaus und Theaterraum.
Weitere Informationen unter www.opernreisefuehrer.de/teatro-dellopera oder telefonisch unter +49 (0) 61 31 / 635 70 23.
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