3. September 2026
Pretty Yende erstmals in China: Südafrikanische Sopranistin eröffnet Musikfestival in Shenzhen
Am 11. September 2026 kommt die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende erstmals nach China. Bei der Eröffnung des Shenzhen „Belt and Road“ International Music Festival trifft sie im Longgang International Art Center auf den chinesischen Tenor Wang Kang. Auf dem Programm stehen Opernklassiker von Puccini und Verdi, eine Welturaufführung für Suona und Orchester sowie Musik über die Stadt Shenzhen.
Mainz/China - Für Pretty Yende führt der Weg erstmals nach China. Die südafrikanische Sopranistin eröffnet am 11. September 2026 im Opernsaal des Longgang International Art Center das Shenzhen „Belt and Road“ International Music Festival. Gemeinsam mit dem chinesischen Tenor Wang Kang, dem Shenzhen Symphony Orchestra und Dirigent Lin Daye verbindet sie an diesem Abend europäische Operntradition mit chinesischer Instrumentalkultur und einer neuen Komposition, die ausdrücklich als musikalischer Dialog zwischen unterschiedlichen Traditionen angelegt ist.
Für Yende ist der Auftritt zugleich eine erneute Begegnung mit Wang Kang, mit dem sie erst wenige Monate zuvor auf europäischer Bühne gearbeitet hat. Im April 2026 standen beide am Teatro di San Carlo in Neapel in Puccinis La bohème gemeinsam auf der Bühne: Yende sang Mimì, Wang Kang den Rodolfo. In Shenzhen treten sie nun erstmals gemeinsam in China auf. Im Mittelpunkt des vokalen Programms stehen Ausschnitte aus La bohème und Verdis La traviata.
Yende bringt eine Karriere mit, die sie von Südafrika auf die großen Opern- und Konzertbühnen Europas und der USA geführt hat. 2011 gewann sie beim von Plácido Domingo gegründeten Operalia-Wettbewerb den ersten Preis und zusätzlich den Publikumspreis sowie den Zarzuela-Preis. Es folgten Auftritte unter anderem an der Metropolitan Opera in New York, der Mailänder Scala, der Royal Opera in London, der Pariser Oper und der Wiener Staatsoper. Ein besonderer Höhepunkt war der 6. Mai 2023: Bei der Krönung von König Charles III. in Westminster Abbey trat Yende als Solistin auf und wurde damit zur ersten afrikanischen Solokünstlerin bei der Krönung eines britischen Monarchen.
Der Abend in Shenzhen beschränkt sich allerdings nicht auf das europäische Opernrepertoire. Zu Beginn erklingt Smetanas Vltava, bekannt als Die Moldau, aus dem Zyklus Má vlast. Danach folgt mit Suona fortissimo! ein neues Werk des italienischen Komponisten Nicola Campogrande für Suona, Klavier und Sinfonieorchester. Das Konzert wird in Shenzhen am 11. September 2026 uraufgeführt. Die Komposition entstand als gemeinsamer Auftrag des Shenzhen „Belt and Road“ International Music Festival und des Teatro Comunale di Bologna; unterstützt wurde sie zudem von der Chinese University of Hong Kong, Shenzhen.
Als Solisten begegnen sich dabei die Suona-Spielerin Zhang Qianyuan und der italienische Pianist Edoardo Turbil. Die musikalische Leitung übernimmt Lin Daye, der das Shenzhen Symphony Orchestra dirigiert. Campogrande beschreibt das Werk selbst als Versuch, musikalische Elemente chinesischer Tradition mit westlichen Klangvorstellungen zu verbinden. Damit wird die internationale Ausrichtung des Eröffnungskonzerts nicht nur durch seine Besetzung, sondern auch durch eine eigens für diesen Anlass entstandene Komposition hörbar.
Im weiteren Verlauf kehrt das Programm zur Oper zurück. Aus Puccinis La bohème erklingen „Che gelida manina“, „Sì, mi chiamano Mimì“ und das Duett „O soave fanciulla“. In der zweiten Hälfte folgen bekannte Szenen aus Verdis La traviata. Den Abschluss bildet Ye Xiaogangs Orchestersuite Shenzhen Story, die sich unmittelbar auf die Stadt und ihre Entwicklung bezieht. So entsteht ein Konzert, das internationale Opernklassiker mit chinesischer Klangtradition, einer Welturaufführung und einem Werk über Shenzhen verbindet.
Am 13. September bleibt Pretty Yende in Shenzhen und gibt in der Symphony Hall der Shenzhen Concert Hall ihr erstes eigenes Solokonzert in China. Der offizielle Spielplan setzt den Abend für 20 Uhr an; als Klavierpartnerin ist Anna Marchwińska angekündigt. Damit wird Yendes China-Debüt von einem zweiten Konzerttermin innerhalb weniger Tage ergänzt.
Für das Shenzhen „Belt and Road“ International Music Festival ist die Verpflichtung Yendes damit mehr als ein prominenter Gastauftritt. Die Eröffnung bringt zwei international tätige Sänger, ein chinesisches Sinfonieorchester und einen chinesischen Dirigenten mit einer Welturaufführung zusammen, die eigens auf den Austausch zwischen musikalischen Kulturen zielt. Auf diese Weise begegnen La bohème und La traviata der Suona und einer neuen Komposition, bevor Ye Xiaogangs Shenzhen Story den Blick wieder auf die Gastgeberstadt lenkt.
Mit ihrem ersten Auftritt in China trifft Pretty Yende in Shenzhen damit auf einen Konzertabend, an dem Oper nicht isoliert neben anderen musikalischen Traditionen steht, sondern unmittelbar mit ihnen in einen gemeinsamen Dialog tritt – zwischen Puccini und Verdi, Suona und Sinfonieorchester, europäischer Operntradition und der musikalischen Gegenwart einer jungen Weltstadt.

