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21. September 2026

München startet in die neue Opernsaison: Wagner, Macht und die Rückkehr großer Stoffe

Mit dem traditionellen Eröffnungsfest und Rossinis La Cenerentola ist die Bayerische Staatsoper am 19. September in die Spielzeit 2026/27 gestartet. Im Nationaltheater richtet sich der Blick nun auf die Vollendung von Wagners Ring des Nibelungen – und auf eine Saison, in der Macht, Verantwortung und der Zerfall politischer Ordnungen mehrfach zum Thema werden.

Von der Redaktion Opernreiseführer

UniCredit Eröffnungsfest 2026 am 19. September 2026
UniCredit Eröffnungsfest 2026 am 19. September 2026 | © Geoffroy Schied

Mainz/München - München hat die neue Opernsaison am vergangenen Wochenende nicht mit einer einzelnen Premiere, sondern mit einem ganzen Tag im und rund um das Nationaltheater eröffnet. Beim UniCredit Eröffnungsfest öffnete die Bayerische Staatsoper am 19. September ihre Räume für Führungen, Musik-, Tanz- und Opernformate. Ein Mitsingkonzert des Bayerischen Staatsopernchors auf den Stufen vor dem Nationaltheater machte den Saisonauftakt auch außerhalb des Zuschauerraums hörbar. Am Abend folgte Gioachino Rossinis La Cenerentola in der seit 1980 gespielten Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle.

Hinter dem festlichen Auftakt steht eine Spielzeit, die sich mit Fragen von Macht, Ordnung und deren Zerfall beschäftigt. Die Bayerische Staatsoper stellt die Saison unter ein Zitat aus Wagners Götterdämmerung: „Verging wie Hauch der Götter Geschlecht“. Im Zentrum steht die Vollendung des Münchner Ring des Nibelungen mit Siegfried und Götterdämmerung. Beide Werke inszeniert Tobias Kratzer, Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski übernimmt die musikalische Leitung. Siegfried feiert am 29. Oktober Premiere, Götterdämmerung folgt im Juni 2027 als Abschluss des Rings.

Damit rückt Wagner unmittelbar an den Anfang des Premierenkalenders. In Siegfried treffen jugendlicher Trotz, die Suche nach Herkunft und Identität und der bereits brüchige Machtanspruch Wotans aufeinander. Siegfried erschlägt Fafner, nimmt Ring und Tarnhelm an sich und durchschreitet schließlich den Feuerwall, hinter dem Brünnhilde schläft. Die Handlung führt damit unmittelbar in jene Welt des Ring, deren göttliche Ordnung in Götterdämmerung endgültig zerfällt.

Daneben setzt München sehr unterschiedliche Akzente. Donizettis Maria Stuarda erzählt im Dezember von politischer Legitimation und der Rivalität zweier Königinnen. John Adams’ Doctor Atomic, ab Februar 2027 erstmals an der Bayerischen Staatsoper zu sehen, richtet den Blick auf Robert Oppenheimer und die moralische Verantwortung wissenschaftlicher Entscheidungen. Im März folgt Tschaikowskis Mazeppa, in dem familiäre Zerstörung, verbotene Liebe und politische Gewalt ineinandergreifen.

Auch danach verschiebt sich der Blick vom Politischen ins Persönliche. Massenets Werther macht den Konflikt zwischen individuellen Gefühlen und gesellschaftlichen Normen zum Zentrum. Brittens Death in Venice führt schließlich im Prinzregententheater in die Welt des Schriftstellers Gustav von Aschenbach und seiner obsessiven Vorstellung von Schönheit. Die Saison umfasst darüber hinaus weitere neue musiktheatrale Arbeiten, darunter Liberty, Die Kreide im Mund des Wolfs und Koma / Il combattimento di Tancredi e Clorinda. Insgesamt sind zehn Opernpremieren angekündigt.

Der Saisonauftakt in München steht damit für eine Spielzeit, deren roter Faden weniger ein einzelnes Thema als die Frage nach dem Ende bestehender Ordnungen ist. Wagners Ring führt diesen Gedanken ins Mythische, während Donizetti, Adams, Tschaikowski, Massenet und Britten politische, wissenschaftliche und persönliche Formen von Abhängigkeit und Grenzerfahrung untersuchen. Das Eröffnungsfest hat dafür den öffentlichen Rahmen geschaffen; mit Siegfried beginnt nun die eigentliche neue Opernproduktion der Spielzeit.