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13. September 2026

Jonas Kaufmann vor Verdis „Otello“ in Wien

Jonas Kaufmann verbindet im September zwei Liederabende mit Helmut Deutsch, bevor er im Oktober an die Wiener Staatsoper zurückkehrt. Dort übernimmt der Tenor Verdis Otello – eine Partie, die nach dem konzentrierten Liedgesang einen radikalen Wechsel des musikalischen und szenischen Maßstabs markiert.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Jonas Kaufmann ist bald wieder in Wien zu erleben
Jonas Kaufmann ist bald wieder in Wien zu erleben | © Gregor Hohenberg

Mainz/Europa - Jonas Kaufmann steht im September zunächst im Zeichen des Liedes auf der Bühne. Am 15. September gastiert der Tenor gemeinsam mit seinem langjährigen Klavierpartner Helmut Deutsch im Musikhuset Aarhus, am 24. September folgt ein weiterer Liederabend auf Burg Taggenbrunn in Kärnten. Die beiden Termine führen Kaufmann in ein Repertoire, das Stimme, Sprache und Klavier in unmittelbaren Dialog bringt.

Die Zusammenarbeit mit Helmut Deutsch reicht bis in Kaufmanns Studienzeit an der Hochschule für Musik und Theater München zurück. Seit 1990 arbeiten beide miteinander; ihr gemeinsames Repertoire umfasst zentrale Werke des deutschen Liedes. Bei ihrem Liederabend im Wiener Konzerthaus im Januar 2026 standen unter anderem Schumanns Dichterliebe und Lieder von Franz Liszt auf dem Programm. Die lange gemeinsame Erfahrung prägt dabei einen kammermusikalischen Zugang, in dem musikalische und sprachliche Feinheiten besondere Aufmerksamkeit erhalten.

Ende Oktober wechselt Kaufmann auf die Opernbühne. Am 26. Oktober kehrt er an die Wiener Staatsoper zurück und übernimmt in Verdis Otello die Titelpartie. Weitere Vorstellungen folgen am 29. Oktober sowie am 2., 5. und 8. November. Bertrand de Billy dirigiert, Adrian Noble zeichnet für die Inszenierung verantwortlich; Luca Salsi singt Jago, Nicole Car Desdemona.

Verdis Otello steht dabei in deutlichem Kontrast zu den vorausgehenden Liedabenden. Der venezianische Feldherr, zunächst von militärischer Autorität und gesellschaftlichem Rang geprägt, gerät unter Jagos Einfluss zunehmend in einen zerstörerischen Sog aus Eifersucht und Misstrauen. Verdis Musik verdichtet diesen psychologischen Absturz zu einem dramatischen Porträt, in dem sich äußere Macht und innere Verunsicherung immer stärker widersprechen.

So verbindet Kaufmanns Herbst zwei sehr unterschiedliche Seiten seines Repertoires: Im September steht die langjährige musikalische Partnerschaft mit Helmut Deutsch und die konzentrierte Form des Liedes im Mittelpunkt, im Oktober und November folgt mit Verdis Otello eine der großen dramatischen Tenorpartien des italienischen Fachs. An der Wiener Staatsoper ist Kaufmann dabei in einer Rolle zu erleben, die vokale Kraft und psychologische Gestaltung gleichermaßen fordert.